Christentum als Alternative - oder die zwei Gesellschaften
Augustinus, der große nordafrikanische Lehrer der Kirche aus dem 4. Jahrhundert, beschrieb die Menschheit als unterteilt in zwei Gesellschaften...
Die eine ist bewegt von der Liebe zu sich selbst, zu Schönheit,
Reichtum, Bildung und Karriere, Macht und Anerkennung.
Die andere ist bewegt von der Liebe zu Gott, der gegenüber alles andere
in den Hintergrund tritt.
Er schrieb sein Buch am Ende des römischen Weltreichs und versuchte zu
verstehen, warum die Christen zusammen mit den nicht-christlichen
Einwohnern des Reiches Schreckliches erleben müssen.
Die zwei Lieben, die Liebe zu sich selbst und die Liebe zu Gott, sind die zwei großen Alternativen des Lebens.
Augustinus sagt, wer der ersten folgt, Ruhm und Ansehen gewinnt, oder auch einfach ein gutes Leben führt, sich vieles leisten kann, in der Arbeitswelt erfolgreich ist, der hat sein gutes Leben gehabt.
Bleiben wird davon aber nichts, denn nichts davon hat bleibende Wahrheit und Gültigkeit.
Das macht er daran klar, dass Besitz durch Unglück oder Krieg genommen werden kann, Schönheit durch Krankheit und Alter verloren wird oder Erfolg durch eine Wende des Schicksals. Dann bleibt diesen Menschen nichts mehr als Verzweiflung wie am Ende des römischen Weltreiches erlebt.
Die anderen dagegen, die die Liebe Gottes vor alles andere setzen, können durch solche Unglücksfälle und Katastrophen nicht in ihrem Glück beeinträchtigt werden, da sie diese Dinge nie mit ihrer Liebe besetzt haben und sie so fahren lassen können. Sie wissen, dass dieses Leben nur eine Station zu einem viel größeren, ewigen Leben ist. Das führt sie zu einer anderen Haltung dem Leben gegenüber.
Diese Menschen lieben sich und die anderen als von Gott gegebene Geschenke, sie erkennen die von Gott gegebene Würde und Liebenswürdigkeit in allen, auch in denen, die elend, krank und arm sind und diese Liebenswürdigkeit nach den Maßstäben der ersten nicht haben.
Sie werden, wenn die Liebe Gottes in ihnen brennt, niemals den Versuchungen der Macht und des Betrügens nachgeben, durch die in der Geschichte so viel Elend angerichtet wird.
Die von der Selbstliebe geleitete Gesellschaft wird immer wieder in Konflikte und Machtkämpfe verfallen, von denen die Politik ein gutes Bild gibt.
Leider ist auch die Kirche nicht frei von Streit und Konflikt, denn auch sie ist Teil dieser Gesellschaft der Selbstliebe, doch ihr eigentlicher Zweck ist es, Menschen in der Liebe zu Gott zusammen zu führen.