Seit einigen Jahren unterstützt unsere Gemeinde das Sozialprojekt "Yayasan Citra Baru".
Was ist Citra Baru? Was steckt hinter dieser Bezeichnung?
Citra Baru – am südlichen Ende Sumatras gelegen, nahe bei der Stadt Bandar Lampung – ist eine Stiftung, die vor 16 Jahren von der engagierten Ibu Melly gegründet wurde, die heute noch Leiterin ist. Triebfeder war und ist der Wunsch, nicht kluge Diskussionen über das Elend in der Welt zu führen, sondern konkret etwas dagegen zu unternehmen (siehe auch www.citrabarufoundation.org).

Wie funktioniert Citra Baru? Jede Woche schwärmen Mitarbeiterinnen in die Dörfer Südsumatras aus, um Kinder aufzuspüren, die durch eine Hasenscharte ein entstelltes Gesicht haben oder durch Kinderkrankheiten dauerhaft geschädigt sind. Diese werden in das Haus Citra Baru gebracht, wo für sie gesorgt wird, bis ein freier Platz für eine Operation besteht.
Die Ärzte in Bandar Lampung und Jakarta (für die schwereren Fälle) operieren unentgeltlich.
„Wir können das“, sagt einer der Ärzte, „Ibu Melly nicht abschlagen. Sie investiert ihr ganzes Privatvermögen in diese Arbeit, da können wir nicht zurückstehen!“
Ein Teil der Jugendlichen bleibt dauerhaft in Citra Baru wohnen, wo sie Stoffe nähen und damit eine sinnvolle Arbeit verrichten. Das Geld, das dadurch hereinkommt, dürfen sie selbst behalten. Das gehört, meint Ibu Melly, zur Menschenwürde dazu.
Kein Mitarbeiter verdient dort etwas, alle arbeiten freiwillig. Kosten entstehen durch die Transporte und die Verköstigung der Kinder in Citra Baru.
Christine Leib berichtet von einer Reise nach Citra Baru (Bilder von dieser Reise sehen Sie hier ):
"Ibu Melly, die Leiterin des Projekts in Bandar Lampung holte uns mit einem Kleinbus am Flugplatz ab. Als wir über die holprige zweispurige Straße zum Citra-Baru-Haus fuhren, lag plötzlich ein junger Mann auf der Straße. Ihm fehlte ein halbes Bein und erst nach längerem Hinsehen erkannte ich, daß er bettelte. Ein paar Kilometer weiter, kurz vor der Abzweigung zum Citra-Baru-Haus streckten uns kleine Kinder leere Plastikbecher entgegen. Ein Mädchen führte ihre blinde Großmutter am Arm und bat um Geld. Melly ignorierte diese Kinder und ich verstand bald warum.
Im Büro des Citra-Baru-Hauses hängt eine Tafel, die die Kinder und Jugendlichen auflistet, die seit Beginn des Projektes in Bandar Lampung operiert wurden. Es sind bis heute ungefähr 1900. Sozialarbeiter suchen in den kleinen Dörfern Südsumatras Kinder, die einer Operation bedürfen, deren Eltern sie aber zu Hause verstecken, weil sie u.a. durch eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte ein auffälliges Gesicht oder durch die Virusinfektion Kinderlähmung z.B. ein verkürztes Längenwachstum eines Armes oder Beines haben.

Manchmal werden Verletzungen mit Hausmitteln falsch behandelt. Melly zeigte uns ein Bild eines Jungen, der sich den Arm gebrochen hatte. Seine Eltern versuchten mit Ingwer den Bruch zu heilen. Der Ingwer verbrannte die Haut des Unterarmes. Da der Bruch nicht medizinisch versorgt wurde, kann er seinen Arm nicht mehr richtig bewegen.
Im Moment warten viele kleine Patienten auf eine OP im nahe gelegenen Immanuel hospital. Da den lokalen Ärzten oft das Wissen und das Material für schwierige OPs fehlt, – sie arbeiten mit fast 30jahre alten Geräten – hat Nani, ein Gemeindemitglied unserer Gemeinde, zwischen einem Spezialisten aus Singapur und Melly vermittelt. Melly sagt, sie danke Gott dafür, dass sie einen Arzt gefunden hat, der auf eigene Kosten mit seinem Team Mitte des Jahres nach Lampung reisen wird, um Kinder zu operieren. Durch Spenden aus unserer Gemeinde können die Kinder mit Essen, Verbandsmaterial, Medikamenten versorgt und der Transport und die Unterkunft in Bandar Lampung ermöglicht werden. Ist kein Geld vorhanden, müssen die OPs verschoben werden, bis ausreichend Geld da ist.
Jedes Jahr erhält unsere Gemeinde einen Bericht darüber, welche OPs mit Hilfe unserer Spendengelder durchgeführt werden konnten.

Das Projekt geht aber noch einen Schritt weiter. Melly sagt, die Kinder haben keine Zukunft, wenn sie z.B. wegen Kinderlähmung im Rollstuhl sitzen oder an Krücken gehen. Sie enden so, wie die Kinder, die auf der Straße gebettelt haben. „Ich lade sie ein, zu uns ins Citra-Baru-Haus zu kommen. Hier bieten wir ihnen Hilfe zur Selbsthilfe. Sie müssen lernen, dass sie nur Geld erhalten, wenn sie dafür Leistung erbringen.“
Den Jugendlichen wird im Citra-Baru-Haus die Möglichkeit geboten,eine Ausbildung zur Näherin zu machen. In einem großen schlichten Raum lernen die jungen Frauen Stoffe zu zuschneiden und an fußbetriebenen Nähmaschinen zu traditionellen indonesischen Blusen,Röcken …. zusammen zunähen.
An zwei Holzrahmen lernen auch junge Männer die traditionelle Goldstickerei. Der Verdienst aus dem Verkauf von genähten Kleidungsstücken und gestickten Wandbildern oder Tischsets geht direkt an die Jugendlichen. Auch unsere Gemeinde verkauft diese Handarbeiten bei bestimmten Anlässen.
Es gibt somit zwei Spendentöpfe: Einen für die OPs und einen für die Ausbildung zur Näherin oder zum Goldsticker.
Bei unserem Besuch konnten wir 1500 $ aus Spendengeldern unserer Gemeinde mitnehmen. Dieses Geld wird nun dafür verwendet, Stoffe, Nähgarne, Scheren, Knöpfe, … für die Ausbildung der Jugendlichen einzukaufen.

Die Jugendlichen können während ihrer Ausbildung im Citra-Baru-Haus leben. Das Ziel ist, dass sie nach Abschluss dieser Ausbildung zurück in ihr Heimatdorf gehen und dort ihren Lebensunterhalt als Näherin verdienen.
Wir besuchten eine Frau in einem kleinen Dorf zwei Stunden Autofahrt von Bandar Lampung entfernt. In einem kleinen Steinhaus standen zwei Nähmaschinen. Die Frau, die Gehhilfen benötigt, lebte sechs Jahre im Citra-Baru-Haus und ernährt nun mit ihrem Verdienst ihre kleine Familie.
Eine neue Idee von Melly ist, körperbehinderten jungen Männern die Ausbildung zum Mechaniker für Mopeds, zu ermöglichen.
Ohne Mellys unermüdlichen Einsatz hätten viele junge Menschen keine Zukunft in Bandar Lampung! Da das Projekt keine regelmäßigen Zahlungen von der indonesischen Regierung oder dem Sozialministerium bekommt, ist es auf Spenden u.a. aus unserer Gemeinde angewiesen.
Deshalb veranstalten wir wieder einen Flohmarkt zugunsten des Projekts."